Thema des Monats
Karlsruhe und der Irrtum eines Sieges
„Verfassungsrichter kippen Rauchverbot“ (Spiegel Online)
„Karlsruhe kippt Rauchverbot…“ (Focus Online)
„Karlsruhe macht Rauchern Hoffnung…“ ( Süddeutsche Online)
Diese Meldungen gingen am 30 Juli durch das Netz und Raucher in ganz Deutschland freuten sich über den (scheinbar) gewonnenen Prozess vor dem Bundesverfassungsgericht. Mein persönlicher emailaccount bei Blendlife quoll daraufhin über, denn Mails von Bekannten, Mitstreitern und Lobbyisten bestürmten mich mit dieser neuen Erfolgsnachricht und jeder in der Raucherszene klopfte sich wahllos auf die Schulter.
„Noch so ein Sieg, und wir sind verloren!“ sagte anscheinend König Pyrrhus von Epirus nach der Schlacht bei Asculum bei der er die Römer vernichtend besiegte. Seitdem spricht man von einem Pyrrhussieg, wenn man glaubt ein Sieg sei zu teuer erkauft.
Betrachtet man das Karlsruher Urteil etwas näher und die öffentlich rechtliche Reaktion in den Medien, dann liegt der Vergleich mit dem „Pyrrhussieg“ sehr nahe. Denn: Verurteilt wurden die Länder Baden Württemberg und Berlin nur wegen schlampiger Gesetzgebung und den Ungereimtheiten in den bestehenden Ausnahmeregelungen.
Über das Rauchen selbst war aber auch von den Richtern nichts Wohlwollendes zu hören, eher das Gegenteil war im Nachsatz der Fall.
Zwar wäre den Karlsruher Richtern zufolge sogar ein absolutes Rauchverbot in Lokalen zulässig. "Denn der Schutz der Bevölkerung vor Gesundheitsgefahren - wozu der Gesetzgeber auch das Passivrauchen zählen darf - ist ein überragend wichtiges Gemeinschaftsgut", sagte Präsident Hans-Jürgen Papier bei der Urteilsverkündung. (Spiegel Online)
Das gestrige Urteil ist somit nicht wirklich ein Erfolg für uns Raucher, zumal es zeitlich eine Vorgabe beinhaltet, denn bis 2009 sollen die Bundesländer ihre Gesetzestexte überarbeiten und das „Nichtraucherschutzgesetz“ kommt dann wieder auf den richterlichen Prüfstand.
„Nachtigall, ick hör dir trapsen…“
2009 sind Wahlen und die Richter trauen der alten Legislaturperiode auch in den Raucherbemühungen wohl nichts mehr zu.
Was wird geschehen?
Liebe Nichtraucher, Liebe Raucher…man muss kein Prophet sein um die Entwicklung des Rauchens in unserer Gesellschaft vorher zu sehen.
Es wird ein bundesweites Nichtraucherschutzgesetz geben mit wenigen oder keinen Ausnahmen. Dies wird bis voraussichtlich 2012 für unsere Bundesrepublik gelten, bis eine einheitliche Europäische Lösung das Thema beschließt.
Ein Kommentar in den Tagesthemen der ARD zum Urteil des Verfassungsgerichts gab gestern dann auch sofort die Richtung der öffentlichen Meinung vor.
Content des Pamphlets: „Nüchtern betrachtet ist die Sache einfach: Rauchen ist eine Sucht, Passivrauchen schadet den Menschen und niemand kann von Koch und Kellner verlangen, dass sie sich zwischen Arbeitswechsel und Gesundheitsgefahr entscheiden müssen“.
Sepp Herberger würde zum Karlsruher Urteil sagen: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“… und leider sieht dieses Match nach Spielzeit und eventueller Verlängerung für uns Raucher nach einer Niederlage aus. Lasst uns darum heute eine Rauchen und den Teilerfolg vor Gericht mit Sekt begießen…das nächste Tor schießen definitiv die anderen.
Doch gibt es Hoffnung? In der "Post von Wagner" der Bildausgabe vom 31.Juli 2008 sehe ich: Der "Gitane" (Ex)Kettenraucher und Meister-Kolumnist gibt sich zum Thema doch endlich die Ehre. Doch welch Dolch kommt unerwartet von hinten. Franz Josef Wagner vergleicht die Eckkneipen mit Sozialstationen, hält Männer in den Kneipen für sterbend und es scheint, dass er persönlich die Gemütlichkeit eines Rauchertresens nie zu schätzen gelernt habe.
Es bleibt spannend im Kampf um die gesellschaftliche Stellung des Rauchens. Dies trotz der Ächtung der öffentlichen Meinung und der erkennbaren Stimmungsmache seitens der Gesetzgebenden Gewalt. Denn das Volk quamlt weiter.
Lieber Franz Josef Wagner,
gehen Sie wieder auf die Straße und schauen Sie auf Ihr Volk. Nicht jeder in Berlin hat eine persönliche "Paris Bar" oder die Möglichkeit in gemütlichen Hinterzimmer der Szene zu "schmauchen". Die Eckkneipen sind nicht Sozialstationen, eher deren "Jugendclubs". Manchmal sind Erinnerungen am Tresen so notwendig wie ein Handicap auf dem örtlichen Golfplatz. Oder haben Sie kein süßes Gift je genossen? Das Rauchen ist nicht gesund und man darf es verdammen. Aber urteilen dürfen Sie nicht. Nicht über den Trinker, nicht über den Essgestörten und schon gar nicht über den Raucher. Diesen Brief schreibe ich selbstverständlich "kettenrauchend".
Ansonsten: "Respekt" und "Weitermachen Soldat"
Geschrieben am: 31.07.08 von Smokey
