Thema des Monats
JUNI: EUROPAMEISTERSCHAFT 2006
In der 85 Minute des Portugalspiels erlöste mich ausgerechnet der Bundestrainer Joachim Löw aus meiner Misere, denn das Thema des Monats Juni ist natürlich die Europameisterschaft in den hier nahen Nachbarländern Österreich und der Schweiz und ich hatte bisher noch keinen prominenten Raucher bei den Spielen ertappt. Und nun rauchte der Bundestrainer selbst.
Gut sichtbar auf meinem Bildschirm, stand Löw in seiner „Exil–Lounge“ hinter Glas, in die er disziplinarisch verbannt wurde, schaute ohnmächtig auf das Spiel beider Mannschaften und steckte sich hilflos eine Zigarette an. Ich hatte meinen (Raucher) Helden für den Juni und damit konnte ich etwas anfangen. Dass Tage später die „Walz aus der Pfalz“ ebenfalls bei den Spielen rauchte und die Kameras seine Züge ins Fußballdeutschland übertrugen freute mich als Blendlifeautor zusätzlich, doch Hans Peter Briegel konnte Joachim Löw natürlich nicht mehr Toppen.
Joachim Löw ist ein Schwarzwälder aus dem nahen Schönau und seine Profikarriere als Fußballspieler begann er 1978 beim SC Freiburg. Mittlerweile spricht wohl ganz Deutschland von der „högschten Disziplin“ und die Sympathiewerte des Fußballlehrers sind nun als Vizeeuropameister auf „högschtem Stand“. Dass er gegen Portugal zum Tabak griff hat ihm jedenfalls nicht geschadet – außer gesundheitlich natürlich.
Löw raucht also gelegentlich, trägt Sonnenbrille am Pool, ist superfreundlich und seine fachliche Autorität gilt überall als anerkannt.
Die für einen Sportler zweifelhafte Ehre „Raucher des Monats“ wollen wir Joachim Löw dennoch im Juni verleihen. Sein Verdienst ist es eindeutig, dass er das Bild des zeitgemäßen Rauchers relativiert hat. Waren Raucher bisher vor allem, fernsehschauende Hartz4 Empfänger die ihre Kinder im verqualmten Wohnzimmer die Aschenbecher leeren ließen, so hatte Löw bewiesen, dass eben auch nachweislich intelligente Menschen diesem Genuss noch frönen.
Früher waren rauchende Fußballspieler in der Gesellschaft ein gewohntes Bild. Nicht jeder Sportler musste wie Mario Basler zum Beispiel ein Kettenraucher sein. Aber eine Zigarre auf Meisterschaftsfeiern rauchte wie Beckenbauer, Breitner, Bernd Schuster und viele andere Profifußballer auch fast jeder Kicker der Amateure bis hinab in die C-Klasse des Sports.
Überhaupt an der Basis des DFB, nämlich in den kleinen Vereinen, wurde (und wird) nach und vor den Spielen geraucht was das Zeug hält.
Im Clubheim zum Bier, Wurstsalat und Skat wogen Nebel aus Qualm und mancher Jugendspieler hat in den geselligen Beisammensein, sein erstes Bier und seine erste Zigarette entdeckt.
Diese Zeiten sind mittlerweile weitgehend vorbei und die meisten Clubhäuser der Vereine „rauchfrei“. Die Meisterschaftsfeiern gehen dennoch weiter und in den unteren Ligen wird draußen geraucht, während es die Profis halt überwiegend unter Ausschluss der Öffentlichkeit tun. Es weht auch über dem Sport ein Hauch von Heuchelei und die Gesellschaft, sowie die UEFA tun zur Europameisterschaft als gäbe es das Thema „Nichtraucherschutzgesetz“ nicht.
Über den Fanmeilen und Stadien zieht der „Blaue Dunst“ und in den Fernseher einer Milliarde Menschen, sah man Löw und Co an den Glimmstengel ziehen. Anstatt Löw zu schelten, freute sich Deutschland mit ihm über das Erreichen des Halbfinales und die „Zigarette in der Hilflosigkeit“ machte ihn für das Volk nur sympathischer.
Blendlife und ich sagen: „Danke Jogi Löw, für eine tolle EM“
„Wir haben gesehen, dass es dem Körper manchmal gut tut, wenn ihn im richtigen Moment eine Zigarette entspannt.“
Geschrieben am: 08.07.08 von Smokey
