Gedankenwelten
Mein Leben ändert sich
Rauchen, Fettleibigkeit, Alkoholismus, ungeschützter Sex und auch Wandern in Wintergebieten mit Lawinengefahr sind ungesund und/oder hochgradig gefährlich.
Aus diesem Grunde verzichte ich persönlich auf ausgedehnte Wanderungen in Wintersportgebieten.
Da das Rauchen, bei den oben genannten Risiken eines ist, bei dem ich andere Personen ebenfalls schädige, ist es für mich einleuchtend – diese Personen haben ein Recht auf Schutz. Wer den Rauch nicht mag und/oder ihn nicht verträgt, hat in mir Verständnis.
Der Großteil meiner Familie und meiner Freunde sind Nichtraucher.
Ihnen stinkt der Rauch gewaltig und gipfelt sich bei meiner Mutter zum Beispiel in heftigen Migräneanfällen. So bin ich es länger schon gewohnt, bei Familienfeiern und Freundespartys rauchend draußen zu stehen, oder je nach Dringlichkeit, solche Versammlungen gänzlich zu meiden. Diese Form der Rücksichtnahme ist für mich selbstverständlich und minderte bisher keineswegs meine Lebensqualität in diesem, unserem Lande…Bisher!
Seit dem 01 August 2007 herrscht in meinem Bundesland – Baden Württemberg – nun, das so genannte Rauchverbot. Nichtraucher werden jetzt allerorts vor mir und meinen Zigaretten geschützt und mein öffentlicher Aktionsradius wird, nennen wir es: ausgewählter.
Kneipen, Restaurants, Cafes und natürlich alle öffentlichen Räumlichkeiten in denen ich mich vorher aufgehalten habe, werden nun zu „no go areas“, oder verändern ihr Gesicht. Erinnerungen an Stammtische, ausgelassene Discoabende, Livemusik an der Bühne mit Kippe in der Hand – dies gibt es momentan für mich nur in privaten Abenden und auch der Espresso, ein möglicher Grappa und die Flasche Rotwein nach dem Essen finden selten noch in einem mir bekannten Restaurant statt.
Mein Leben ändert sich – ich bin es gewohnt.
1983 zündete sich Lucky Luke seine letzte Zigarette an und reitet seitdem mit einem Grashalm im Mund auf Jolly Jumper durch Amerika – kurz danach verschwand der Marlboro Cowboy aus den deutschen Kinos. Ich habe ihn nicht vermisst und auch Lucky Luke trat irgendwann aus meinem Leben. Ansonsten mag ich reale Menschen aber nicht missen, werde weiterhin gesellschaftlich verkehren und mein Leben genießen – dort wo ich die Möglichkeit habe. In einer globalen Welt schwindet die Anzahl meiner persönlichen ökologischen Nischen und Schnittmengen mit Nichtrauchern verlieren an Tiefe.
Daran bin ich selbst schuld – denn ich bin der Raucher. Ich kann und will es nicht lassen – und genieße sogar einige der Zigaretten, die ich ansonsten tagsüber eher in Routine inhaliere.
In Deutschland rauchen über den Daumen 30 Prozent aller Erwachsenen, etwa 15 Millionen Menschen. Die Bestrebungen Europas und anderer Länder nach gesunden, rauchfreien Bürger ist nachvollziehbar und wird natürlich auch von mir Raucher unterstützt.
Daher ist es anzunehmen, dass die Gemeinde der Raucher weiter abnimmt – Rauchen noch mehr zu einem Luxus wird. Laut dem „Paretoprinzip“ werde ich mittelfristig einer von zwanzig Prozent jener Deutschen sein welche dem Genussmittel Tabak noch frönen, oder ich habe mir das Rauchen ebenfalls abgewöhnt. 10 Millionen deutsche Raucher – in Europa gar 100 Millionen – so schnell sterben sie nicht aus, was also werden sie tun?
Meine eigenen Kochkünste haben sich verbessert, so wie ich nun mobiler bin – wenn es ums Ausgehen geht. Locations, Veranstaltungen und auch Urlaubsziele haben teilweise ihre Dringlichkeit bei mir verloren – Andere und Neues habe ich dafür schätzen gelernt – das Leben geht auch für Raucher weiter. Bei meiner Arbeit für BLENDLIFE fallen mir glücklicherweise, für mich wichtige Informationen zu und ich gebe dieses Wissen gerne weiter.
Mein Leben ändert sich – ich kann es gestalten.
Geschrieben am: 19.01.08 von Smokey
